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Leibniz in Mainz (1668–1672)

Internationale und interdisziplinäre Tagung

Die Jahre in Mainz, im Dienst des Mainzer Erzbischofs Johann Philipp von Schönborn, markieren die erste längere Station im Leben des in Leipzig geborenen Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) nach dem Abschluss seiner universitären Studien mit der juristischen Promotion im Alter von gerade 20 Jahren. Nach der ersten Begegnung mit seinem Förderer Johann Christian von Boineburg in Nürnberg verlebte Leibniz vier Jahre am Kurmainzer Hof, bevor er im März 1672 zu einer diplomatischen Mission nach Paris aufbrach. Diese Zeit war angefüllt mit einer Vielzahl von juristischen, politischen, philosophischen, theologischen und anderen Projekten und Überlegungen; Leibniz hat später selbst mehrfach auf diese Phase als besonders prägend für seine weiteren Studien Bezug genommen.

Die Tagung, eine Kooperationsveranstaltung des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte Mainz mit den Leibniz-Forschungsstellen der Akademien der Wissenschaften in Göttingen (Hannover/Münster) und Berlin-Brandenburg (Berlin/Potsdam), dem Erbacher Hof – Tagungszentrum des Bistums Mainz und der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, stellt diesen Abschnitt der wechselvollen Biographie Leibniz’ in den Mittelpunkt und fragt nach den von hier ausgehenden Impulsen für weitere Entwicklungen im Werk dieses großen Gelehrten. Seine Aktivitäten und Studien, Kontakte und Pläne sollen dabei jeweils in ihrer Verortung im lokalen, überregionalen und europäischen Rahmen untersucht, in ihrem Einfluss auf die Entwicklung des Leibniz’schen Denkens eingeordnet und in ihren Auswirkungen auf sein späteres Werk und seine Rezeptionsgeschichte gewürdigt werden. Die Tagung nimmt dazu die Bereiche der Jurisprudenz und Rechtsreform, der Reichs- und Religionspolitik, des religiösen Denkens und der Wissenschaftspolitik sowie des Akademiegedankens in den Blick. Dieser Zugriff soll erhellen, welche Bedeutung die Jahre in Mainz für Leibniz hatten und welche Ausstrahlung und Wirkung seine Tätigkeit für Stadt und Erzbistum und über deren Grenzen hinaus entfalten konnten.


Programmentwurf (Stand: 12. März 2015)

I. Kurmainz im europäischen Kontext
a. Kurmainz unter Kurfürst und Erzbischof Johann Philipp von Schönborn (unter
Einbeziehung der Rolle Johann Christians von Boineburg)
b. Die Bedeutung der Kurmainzer Zeit für Leibniz (politische, wissenschaftliche, auch
theologische Bedeutung)
c. Leibniz und seine „Freunde“ (Mainzer und europäische Netzwerke)

II. Leibniz als politischer Akteur – Reichs- und Religionspolitik
a. Die Mainzer Tagespolitik in Flugschriften und Auftragsarbeiten
b. Leibniz und seine Vorstellungen von europäischer und Weltpolitik
c. Konfessionspolitik und Reunionsfragen

III. Jurisprudenz und Rechtsreform
a. Rechtsreformüberlegungen in Kurmainz (H.A. Lasser/H. Conring)
b. Leibniz als Rechtsreformer
c. Die Wirkung der Nova methodus (Natur- und Völkerrecht)

IV. Leibniz als religiöser Denker
a. Herausforderungen und Abgrenzung (Spinoza und Sozinianer; atheistische und antitrinitarische Strömungen)
b. Christlicher Universalismus (Demonstrationes catholicae)
c. ‚Vordenken‘ über Theodizee (Von der Allmacht und Allwissenheit Gottes)

V. Wissenschaftspolitik und Akademiegedanke
a. Leibniz als Wissenschaftler – Physik und Metaphysik
b. Leibniz als Wissenschaftsorganisator – Der Akademiegedanke in seiner Mainzer Zeit
(Bedencken von Aufrichtung einer Akademie)
c. Der Ort der Wissenschaft – die Fortentwicklung des Akademiegedankens